Ursprünge
Die Armenseelenspend von Kippel geht auf das Jahr 1453 zurück. Laut Urkunde stifteten damals mehrere „ehrsame Männer und Personen“ ein Jahrzeit „zum Heil aller gläubigen Seelen“. Die Einkünfte des Jahrzeits dienten einerseits der Verköstigung der Priester, die die Jahrzeitmessen lasen, und gingen anderseits – zum Teil in Naturalien – an die Mitglieder des Jahrzeits. Ursprünglich handelte es sich also bei dieser Spende um eine Jahrzeitstiftung mit eigenem Kapital. Was jeweils übrig blieb, war „auf dem Friedhof des hl. Martin oder an einem andern würdigen Ort zu Kipil“ an die Armen zu verteilen.
Für die Zeit um 1870 macht Prior Johann Baptist Gibsten folgenden Eintrag in sein pfarreiliches Notizbuch:
„1. November, Fest Allerheiligen; an diesem Tage mag ausgekündigt werden, dass der Spendvogt von Allerseelen sich um die gewöhnliche Gabe empfehle.
2. November, Fest Allerseelen, der grösste Zusammenlauf des Volkes zur Kirche, um die Spend nämlich von etwas Brot und Käse abzuholen, Gräberbesuch zu machen und dem Gottesdienst und der Predigt beizuwohnen. Nachmittag finden unter Schmaus und Trank die gewöhnlichen Rechnungen der Kirchen und Kapellen von Kühmatt statt, wie auch der Seelenspend, desgleichen die Ausstellungen und Verstossungen der Kapitalien. Damit dies alles aber in Ordnung gehe, muss dies alles vorher in Richtigkeit gebracht werden, weil sonst leicht Verwirrung eintreten kann.“
Und an anderer Stelle notiert Prior Gibsten zum gleichen Brauch:
„2. November, Totum officium defunctorum [Messe für alle Verstorbenen]. Weil nun an diesem Tag das Volk zusammenströmt, teils um das gewöhnliche Opfer für das Officium dem Prior zu entrichten, teils um an diesem Tage eine Spend zu empfangen vom Seelenvogt, welche in einem Stücklein Käs und Brot besteht. Das Brot erhält der Seelenvogt aus den Spendäckern, der Käse wird von Wohltätern geschenkt. Daher soll der Prior oder ein anderer Priester die Wohltäter zur Gabe auffordern mit den Worten „der Seelenvogt empfiehlt sich für die gewöhnliche Gabe“.
Die Notizen von Prior Gibsten machen deutlich, dass zu jener Zeit die Spende in Form von Brot und Käse nicht mehr an die Armen ausgeteilt wurde, sondern ganz allgemein an die Kirchgänger. Überlebt hat denn auch nur die Verteilung von Bot und Käse. Das Jahrzeit wurde wohl schon im 18. Jahrhundert aufgelöst und das mit ihm verbundene Vermögen ging vermutlich an die Pfarrei. |