Begehrter Lohn
Die Entlöhnung der Geistlichkeit mit Butter scheint in früherer Zeit von etwelcher Bedeutung gewesen zu sein. Jedenfalls schreibt Johann Baptist Gibsten, Prior von Kippel, um 1870 in seiner Chronik: „Für Segnung der Alpen von Faldum, Restin, Kume, Hocken, Lauchern, Werezen wird Butter gegeben, das Gewicht belief sich bis auf 190 Pfund. Im Jahre 1865 fing die Werezenalpen an den Butter zu zertheilen: ein Theil dem Prior u. ein Theil dem Rektor Bruner sagend, es seÿ ein Geschenk, u. nun belief sich im letzten Jahre 1867 das Gewicht des Butters auf die 90 Pfunde. Was nun an der Sache ist, weiss ich nicht. Nur sagte mir der Hochw. Herr Loretan Kaplan von St. German, der viele Jahre hier unter dem Prior Hasler u. Lehner als Rektor sich befand, so lange er hier gewesen seÿ, so wurde der Butter dem Herrn Prior gegeben.“
Begehrte Bildchen
Und weiter liest man in der Chronik von Prior Gibsten: „Beÿ der Alpensegnung muss der Prior jedem Kind u. jeder Mutter ein Bildchen geben, auch wenn Kinder oder Mütter nicht zugegen sind, so wird für diese Abwesende gefordert. Dem Ueberbringer des Alpenbutter wird zu essen u. zu trinken gegeben u. ein Saktuch oder etwas anders für die Mühe ertheilt. Diese eingeführte Gewohnheiten zeigen also an: Do ut des, so dass es also doch scheint, der Alpenbutter wäre unter die Jura stola zu rechnen. Noch zu bemerken ist, dass der Rahm immer am ersten Sonntag nach der Alpfahrt dem Alpenvogt überbracht wird u. dies zwar in allen Alpen, damit er ihn zu Butter u. zur grossen Balle formiere, also ähnlich den sogenannten Späntkäsen. Dagegen sagt man freilich auch, als man gegen Hockenalpen ein Bildhäuschen machte oder reparierte, im selben Jahre habe man den Butter von der Hockenalpen oder vielmehr dessen Werth ans Bildhäuschen verwendet, so desgleichen sagte mir Ferdinand Murman, ein 80 jähriger Mann, er habe gehört, dass man früher den Butter von der Hockenalpe ein Jahr dem Prior gegeben, ein Jahr dem Rektor u. hats getroffen, dass der Kirchenvogt auch in Hocken war, der Kirche.“