Museum intern

Aufgaben

Leitbild

Organisation

Jahresbericht

Ausstellungen

Geschichte

Infos en français

Braucharchiv Lötschental

Die Osterspend von Ferden

Entrinden des Baums
für die Fässer
Herstellung eines Rumpfs
für den Ziger
Freilegen des Zigers
Die Gabe für die Ehrengäste
Ehrengäste
der Osterspend 2001
Spendenempfänger
der Nachbargemeinden
Austeilen der Kleinen Spend
Einschenker im Burgersaal

Beschreibung

Jeweils am Ostermontag wird in Ferden ein nach speziellen Methoden hergestellter und während Monaten gelagerter Ziger an die Talbevölkerung verteilt, zusammen mit einem Stück Brot und einem Glas Wein. Die Spende geht auf ein Versprechen aus dem Mittelalter zurück.

Der Spendtag beginnt mit einem Gedenkgottesdienst in der Kirche. Darauf eröffnet Glockengeläute die „Kleine Spend“ für die Kinder. In der anschliessenden Burgerversammlung werden die Verantwortlichen für die Spend des kommenden Jahres bestimmt. Gegen Mittag kommen die Leute aus den drei andern Talgemeinden, um ihre Gabe abzuholen. Dabei erhält jede erwachsene Person einen Becher Wein, einen Würfel Spendziger und ein Stück Brot. Ältere Personen und schwangere Frauen haben Anspruch auf mehr Wein. Verdankt wird die Spend mit dem Spruch: „Vergält äs Gott z tuisig Maln und gäb ä Gott in ewign Loon, und bignad schi Gott alli und gäb nän Gott d ewigun Ruää.“ Nach den Leuten aus den Nachbardörfern folgen die Frauen von Ferden. Die Männer von Ferden erhalten ihre Spend erst am Osterdienstag. Am Abend des Ostermontags findet überdies der Burgertrunk statt, zu dem neben den Männern und Frauen von Ferden auch die Guttäter (Alpgenossen anderer Gemeinden, die ihre Milch spenden) und Ehrengäste geladen sind.

Ursprung

Über den Ursprung der Osterspende von Ferden berichtet eine Sage: In längst vergangenen Zeiten sind auf den Alpen Kummen, Resti und Faldum immer wieder Kühe auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Nach drei Tagen kehrten sie jeweils völlig erschöpft und abgemagert zurück. Zwischen den Klauen trugen sie Kornähren und gaben blutige Milch. Schuld an der Misere war ein toter Senn, der sich zu Lebzeiten unrechtmässig bereichert hatte. Um den Schadenzauber zu brechen, gelobten die Alpgenossen, jährlich den Alpnutzen zweier Tage in Form von Ziger an die Armen zu verteilen. Darauf hörte die Plage auf.

Geschichte

Die älteste schriftliche Urkunde, die über die Osterspend von Ferden berichtet, stammt aus dem Jahre 1872. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung aus dem Lateinischen, doch fehlt der entsprechende Originaltext. Hinweise wie die in der Urkunde aufgeführten Namen der Stifter und Guttäter weisen ins 14. Jahrhundert zurück. Damals legten die Viehbesitzer der Ferdner Alpen Kummen, Resti und Faldum das Gelübde ab, wonach der Milchertrag von zwei bestimmten Tagen zu einem speziellen Ziger verarbeitet und am Ostermontag an die Bevölkerung des Lötschentals ausgeteilt werden sollte.

Auch die Art der Herstellung des Zigers weist auf eine Entstehung des Brauchs im Spätmittelalter hin: Vollfette Ziger, die aus Sauermilch hergestellt werden, waren bis ins 16. Jahrhundert neben der Butter das dominierende Milchprodukt. Und zu erwähnen ist schliesslich, dass im 14. Jahrhundert die Freiherren von Thurn ihre Besitzungen im Lötschental verlieren und der Besitz der Alpweiden an die Talbevölkerung übergeht, wobei Ferden sich den grössten und besten Teil anzueignen vermag.

Herstellung

Beim Spendziger handelt es sich um einen sehr rezenten und leicht flockigen Ziger. Dieser wird aus vollfett verkäster Rohmilch gewonnen. Genau genommen handelt es sich also beim Spendziger von Ferden nicht um einen Ziger, da dieser üblicherweise aus der fettfreien Käsemilch (Molke, Sirte) gewonnen wird.

Zur Zigerherstellung wird die Milch der drei Alpen Kummen, Resti und Faldum, die vom Abend des 22. Juni bis zum Morgen des 24. Juni anfällt, genommen. Die gesammelte Rohmilch wird zu kleinen, weichen Käselaiben verkäst und anschliessend in den Gemeindekeller von Ferden gebracht. Dort werden die Käselaibe zerkleinert, in die Stampftröge geleert und mit dem Stampfholz so lange zerstampft, bis ein feiner Brei entsteht. Sodann wird Salz in den Brei eingeknetet.

Nun wird die Masse in spezielle Rindenfässer, genannt Rümpfe, eingefüllt. Die rund einen Meter hohen Fässer werden aus Tannenrinde hergestellt und mit Ulmenbast zusammengehalten. Bis Ostern bleibt nun die Käsemasse in den Rümpfen, wobei der Saft der Tannenrinden zusammen mit dem Salz dem Spendziger seinen markanten Geschmack verleiht. Mit einer langen Stahlnadel werden regelmässig Löcher in die aufgehängten Rümpfe gestochen, damit die Flüssigkeit entweichen kann und der Spendziger nicht zu faulen beginnt. Zu Beginn des Winters wird der Ziger nochmals aus den Rümpfen genommen und in den Stampftrögen nachgestampft.

Am Ostermontag werden die Rümpfe aufgebrochen und die oberste dunkelbraune Schicht des Zigers weggeschnitten. Die weisse Zigermasse wird nun in ca. sechs Zentimeter grosse Würfel (Tozzlini) geschnitten und zur Verteilung bereit gestellt.

Funktionen

Verantwortlich für Zubereitung und Lagerung des Zigers sind der Gewaltshaber und die Spendherren, die jedes Jahr neu bestimmt werden. Die übrigen Ämter werden für sechs Jahre vergeben: Spendvogt, Spensator, Käseschneider, Zigerschneider, Brotschneider, Spendausteiler, Weinträger, Einschenker.

Bibliografie

Arnold Niederer (Hg.): Die Ostespend von Ferden und andere Spendbräuche im Wallis. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Lötschentaler Museum, Kippel 1992.

Die Publikation enthält eine Bibliografie mit allen relevanten Publikationen zur Osterspend von Ferden.

Bildnachweis

Bildserie 2000-2001: Arnold Niederer Stiftung; Peter Guggenbühl

Bildserie 1930er Jahre: Ernst Brunner, Albert Nyfeler, Charles Aegerter

Stampfen des Zigers
Zubereiten der Portionen
Unterwegs zur Spend
Empfang der Spend
Schaukasten
Archiv Lötschental
Agenda

Sam 19.05.2012
Jahresversammlung Förderverein
[mehr]

Sam 19.05.2012
Internationaler Museumstag
[mehr]

Sam 23.06.2012
30 Jahre Lötschentaler Museum
[mehr]

Mit 01.08.2012
Filmnachmittag
[mehr]

designed by artes    •    created & hosted by simplysoft   •    powered by typo3